explorative Studie über unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

von Markus Höckner und Biggi Stockinger-Hofer
Was wissen wir eigentlich über Flüchtlinge? Was wissen wir über jugendliche Flüchtlinge? Dieser Frage geht eine neue Studie des Instituts für empirische Sozialforschung (IFES) im Auftrag der Bundejugendvertretung nach. Hier findest du eine Zusammenfassung der Ergebnisse dieser Studie.
explorative Studie über unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Grundsätzlich wissen wir wahrscheinlich nicht viel oder gar nichts über das Leben von minderjährigen Flüchtlingen, außer wir haben mit einigen von ihnen Kontakt und kennen deshalb ihre Geschichte. Das haben viele Menschen, aber nicht alle. Daher hat die Bundesjugendvertretung eine Studie in Auftrag gegeben. Mit Unterstützung der PPÖ und zahlreichen anderen Kinder- und/oder Jugendorganisationen wurde nun eine explorative Studie "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Österreich", durchgeführt vom Institut IFES, vorgestellt.

Die Ergebnisse der Studie:

Die Ergebnisse sind nicht allzu überraschend, aber belegen eindeutig, was den jungen Menschen wichtig ist.

  • Die Sehnsucht nach Sicherheit,
  • der Traum vom eigenen Heim, gemeinsam mit der Familie,
  • eine Ausbildung zu absolvieren,
  • finanzielle Unterstützung,
  • Deutsch lernen und
  • der Wunsch nach gemeinsamen Tätigkeiten (wie z.B. Sport betreiben) mit einheimischen Jugendlichen.

Näher untersucht wurden in der Befragung die folgenden vier Bereiche:

  • Wohnen
  • Ausbildung
  • Finanzielles
  • Tagesabläufe

ad Wohnen

  • 35% der Befragten lebten zum Zeitpunkt der Befragung in den Erstaufnahmezentren (EAZ) Traiskirchen oder Erdberg.
  • 32% der Befragten waren in Einrichtungen, die speziell für junge Flüchtlinge eingerichtet wurden, untergebracht.
  • Könnten die Jugendlichen aus den EAZ ausziehen, würden 46% in eine eigene Wohnung ziehen wollen, 22% zu Pflegefamilien und 16% in eine Wohngemeinschaft für junge Flüchtlinge.

ad Ausbildung

  • 55% der Befragten besuchten zum Zeitpunkt der Befragung keine Schule, Lehre oder andere Ausbildung (Deutschkurse waren ausgenommen).
  • Die Vorstellungen der Befragten über die zukünftigen Tätigkeiten waren vielfältig und die Zuversicht diese auch realisieren zu können groß.

Die Realität in der Tagesstruktur sieht aber leider anders aus:

  • 49% der Jugendlichen sind zwar in einem Deutschkurs, welcher aber nicht täglich angeboten wird.
  • 17% der Jugendlichen hatten bereits einen Deutschkurs planmäßig abgeschlossen.

ad Finanzielles

  • Knapp 60% der jungen Flüchtlinge haben 40 Euro oder weniger im Monat zur freien Verfügung.
  • Ihnen fehlt Geld um Kleidung und Schuhe, sowie Bücher und Lernunterlagen zu kaufen. Für sportliche Aktivitäten Geld auszugeben, geht sich auch nicht aus.

ad Tagesablauf

  • Der Wunsch nach einer geregelten, produktiven Tagesstruktur ist groß.

Hier einige Beispiele:

"Ich habe nichts zu tun, außer Frühstück, Mittagessen, Abendessen zu essen. Sonst die ganze Zeit schlafen und auf einen Bescheid warten. Unter der Woche und am Wochenende, es ist immer das Gleiche."

"Zu Mittag aufstehen, ein bisschen spielen, Zeit vertreiben, Ball spielen, ich bleibe immer in der Unterkunft."

"Ich habe das Gefühl, dass ich meine Zeit oft verschwende, weil wir keinen fixen Plan haben. Es wäre wichtig einen fixen Tagesplan mit Zielen zu haben."

Der genaue Studientitel:

Hochwarter, Christoph; Zeglovits, Eva, 2016: Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge in Österreich. Forschungsbericht im Auftrag der Österreichischen Bundesjugendvertretung. Wien: IFES.

weiterführende Links & Tipps:

Veranstaltungstipp:

Was auf dieser beschwerlichen Reise einem Kind passieren könnte, kannst du dir hier anschauen.