Gönüllülük - Freiwillige in Istanbul - ein Training der besonderen Art

von Elena Alberti
"Volunteering in Youth NGOs: Citizens in action" - so der Titel des Seminars, das vom 24. bis 29. März 2011 in Istanbul stattfand, veranstaltet von der WOSM European Scout Region.
Gönüllülük - Freiwillige in Istanbul - ein Training der besonderen Art

37 TeilnehmerInnen aus 21 Pfadfinderverbänden und 19 Ländern, ein siebenköpfiges Planungsteam und ein Gastreferent trafen sich in der "eurasischen" Stadt, um verschiedene Themen rund um das freiwillige Engagement zu diskutieren.

Zehn Jahre nach dem Internationalen Jahr der Freiwilligen feiert Europa ein Revival - das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011. NGOs in ganz Europa lassen das Ehrenamt hochleben, und die Pfadfinder sind vorne mit dabei. Motiviert, etwas zu bewegen, treffen sich PfadfinderInnen aus ganz Europa in Istanbul. Die Themenbereiche kreisen um Freiwillige und deren Engagement, der Austausch steht bei diesem Seminar im Vordergrund.

Freiwillige managen - eine Herausforderung

Ein großer Themenblock ist Management von Freiwilligen und die Beziehungen (zwischen Freiwilligen und Freiwilligen sowie zwischen Freiwilligen und Hauptamtlichen). Um die Stellung der Freiwilligen zu erörtern, gehen wir der Frage nach, warum denn die Pfadfinderbewegung als eine von Freiwilligen getragene Organisation besser oder schlechter als andere NGOs sein kann. Die Gruppenergebnisse zu jeder Einheit werden im Plenum präsentiert; Fotocredit: WOSM | Milutin Eine Antwort: "Scouting is free!", als mehrdeutige Aussage - die Pfadfindertätigkeit wird nicht bezahlt, geschieht aus freiem Willen und ist frei zugänglich und für jeden offen. Bei den Pfadfindern tätig ist man mit ganzem Herzen und viel Leidenschaft, die Tätigkeitsbereiche sind vielfältig und es gibt etwas für jedermann/-frau; und jedermann/-frau wächst an der Aufgabe, eignet sich wichtige, gefragte und praktische Fähigkeiten und Kompetenzen an und kann sich selbst entdecken, experimentieren und gleichzeitig Verantwortung übernehmen.

Auch in Ländern mit vielen Hauptamtlichen Pfadfindern stehen Freiwillige und Hauptamtliche auf einer Stufe. Die Hauptamtlichen sind zur Unterstützung der Ehrenamtlichen da, auf welche die Bewegung aufbaut und ohne die sie zum Stillstand kommen würde. Klarheit in diesen Beziehungen schaffen vor allem Transparenz bei Entscheidungen, klare Aufgabenverteilung und genau definierte Zuständigkeitsbereiche. Die Festlegung von Prioritäten, Linien und einfache, klare Strukturen können Missverständnissen vorbeugen und die tägliche Arbeit erleichtern. Dass besonders auch junge Engagierte sich auf jeder Ebene einbringen können, scheint uns sehr wichtig für eine gesicherte Zukunft und kommt einer aktiven Förderung von Freiwilligennachwuchs gleich.

Freiwillige gewinnen - mit einem Kompetenzkatalog

Gute Werbung und nützlich für das Begeistern von potenziellen Freiwilligen wäre ein Katalog, in dem alle Kompetenzen und Fähigkeiten vermerkt sind, die als PfadfinderIn erworben und erlernt werden können und wofür diese Fähigkeiten außerhalb der Pfadfindertätigkeit eingesetzt werden können. Es entstehen spannende und lebhafte Gespräche über Freiwilligentätigkeit; Fotocredit: WOSM | Milutin Es gibt mehrere Beispiele für Selbstevaluation und Erkenntnis dessen, was bei den Pfadfindern gelernt wurde. Das französische Beispiel heißt Valorise-toi! und übersetzt die bei den Pfadfindern erlernten Kompetenzen und Fähigkeiten in die Sprache der Wirtschaft und des Arbeitsmarktes.

Uns erscheint es besonders wichtig, dass freiwillig Engagierte freien Zugang zu den für sie relevanten Informationen, Entscheidungen, Protokollen usw. haben. Dadurch können Missverständnisse, Ärgerlichkeiten und Frustration präventiv umgangen werden und eine positive, konstruktive Zusammenarbeit wird gefördert.

Jetzt will ich die Welt verändern!

Es soll aber auch der persönliche Mehrwert erwähnt sein, den solche Events mit sich bringen. Nebst vielen neuen Facebook-Freunden gewinnt man Netzwerke, Übernachtungsmöglichkeiten quer durch Europa, einen Eindruck der internationalen Zusammenarbeit und bringt viele Ideen, Vorschläge, Inputs, Verbesserungspläne und Freude nach Hause. Hier sei noch ein tschechischer Pfadfinderfreund zitiert: "Nach diesen paar Tagen sprudle ich nur so vor Motivation, ich habe eine Menge Ideen und Pläne. Jetzt will ich die Welt verändern!" – der schönste Weg, Danke zu sagen.

Gruppenfoto - Die versammelte Mannschaft vor der Linse; Fotocredit: WOSM | Milutin

Die versammelte Mannschaft vor der Linse

Mehr Informationen zum Thema

PS: Schon mal ans Aufhören gedacht? Ein Weg zur Selbstmotivation (so kann man sich den Mehrwert der Freiwilligentätigkeit wieder ins Gedächtnis rufen):
Was ist für mich der größte Antrieb/Ansporn für mein freiwilliges Engagement?
Finde zwei Fähigkeiten, die du persönlich nur als PfadfinderIn (kennen-)gelernt hast.
Identifiziere einen Moment geteilten Erfolges, der dich sehr zum Weitermachen motiviert hat.

Bildnachweis: WOSM | Milutin