WOSM-Weltkonferenz 2005 - Tunesien

von Thomas Ertlthaler am 24.10.2005
Vom 5. bis 9. September 2005 fand in Hammamet, Tunesien, die 37. WOSM-Weltkonferenz statt, an der ca. 1.200 Delegierte und Beobachter aus 122 Ländern teilnahmen. Die PPÖ wurden durch Andreas Kranzelmayer und Thomas Ertlthaler vertreten.
WOSM-Weltkonferenz 2005 - Tunesien

Weltkonferenz – das klingt nach Meetings, Diskussionen, Treffen mit Freunden aus aller Welt. Die weltweite WOSM-Familie zählt rund 28 Millionen Mitglieder in nahezu allen (bis auf 6) Staaten der Welt. Die Möglichkeit zur aktiven Mitarbeit ist aber leider relativ beschränkt auf einen Tag in Arbeitsgruppen und viele interessante Pausengespräche.

Die Weltkonferenz ist die Generalversammlung von WOSM und tagt alle drei Jahre. Diesmal trafen sich vom 5. bis 9. September 2005 fast 1.200 Delegierte und Beobachter aus 122 Ländern in Yasmine Hammamet, Tunesien – zum ersten mal in der arabischen Region. Die PPÖ trugen mit einer Delegation aus nur zwei Personen (Bundesleiter Andreas Kranzelmayer und der Bundesbeauftragte für Internationales Thomas Ertlthaler) bei.

Das Motto der Konferenz war "Breaking down barriers" – und das ist soweit auch gut gelungen. In der Pfadfinderfamilie sind Konflikte zwischen einzelnen Verbänden wie in der großen Weltpolitik undenkbar. Da sitzen in einer Arbeitsgruppe Vertreter aus Israel mit Palästinensern zusammen, da trinken Amerikaner mit Arabern friedlich Kaffee. Das ist wohl auch der Grund für den langjährigen Erfolg unserer Bewegung, unseres großartigen Netzwerkes, und unserer internationalen Freundschaft seit mittlerweile fast 100 Jahren. Das war auch ein großer Schwerpunkt der Konferenz – das Centenary of scouting 2007. Berichte über die Feiern zum Jubiläumsjahr wurden geliefert, über die Projekte der einzelnen Verbände zu den Gifts for peace, und über das Jamboree 2007.

Am Mittwoch fuhren wir alle mit Bussen nach El Jem, wo wir im römischen Kolosseum in Arbeitsgruppen diverse Aspekte zu der "Strategy for Scouting", die bei der Konferenz 1999 erstmals angedacht wurde, diskutierten.

Außerdem nahm die Konferenz drei neue Mitglieder auf (Albanien, Guinea, Malawi – womit die weltweite Familie nun 155 Länder zählt), wählte sechs neue Mitglieder ins Weltkomitee, entschied sich für Orte für das Jamboree 2011 (es wird in Schweden stattfinden) und die Weltkonferenz 2011 (in Brasilien). Weitere Termine in der Zukunft: Jamboree 2007 in England, World Moot 2008 in Mocambique, Weltkonferenz 2008 in Südkorea.

Facts & Figures:

WOSM – die 1922 gegründete World Organization of the Scout Movement – ist der Weltverband der Pfadfinder, bei dem die PPÖ Mitglied sind.

Das ermöglicht uns die aktive Teilnahme an den Weltkonferenzen, Jamborees, Moots, Seminaren, Sprachkursen und vielem mehr – verpflichtet uns aber auch zum Beispiel zur jährlichen Leistung unserer Mitgliedsbeiträge und zur Teilnahme an gewissen Programmen, wie den Gifts for peace. Außer in Andorra, VR China, Cuba, Nordkorea, Laos und Myanmar (Burma) gibt es Pfadfinder in allen Staaten der Welt, rund 28 Millionen (gemeinsam mit WAGGGS sind wir etwa 38 Millionen).

Die Weltkonferenz wählt alle drei Jahre sechs neue Mitglieder für sechs Jahre in das Weltkomitee, das einen Chairman für drei Jahre wählt (von 2005 bis 2008 ist das Herman Hui aus Hongkong). Neben diesem Komitee (das ehrenamtlich die Geschicke des Weltpfadfindertums lenkt) dient ein Stab von Hauptamtlichen Mitarbeitern zur Unterstützung. Leiter des Weltbüros mit Sitz in Genf ist seit 1. Jänner 2004 der Italiener Dr. Eduardo Missoni. Zusätzlich unterstützen regionale Büros in Genf und Brüssel (für Europa), Kairo (für die arabische Region), Manila (für die Asia-Pazifik Region), Nairobi, Dakar und Kapstadt (für Afrika), Santiago de Chile (für die Interamerikanische Region) und Yalta (für Eurasien) die Arbeit des Weltbüros.

Das Leitmotiv, die Vision von WOSM, orientiert sich an unseren gemeinsamen Werten und dem gemeinsamen Versprechen (das alle Mitgliedsverbände adaptieren müssen) und lautet "One promise, one organization serving one movement".

Der Staat mit den meisten Pfadfindern bei WOSM ist Indonesien (über 8 Millionen), kleinstes Mitglied ist Monaco (61 Mitglieder). Bei allen Abstimmungen haben aber sowohl Indonesien als auch Monaco genau 6 Stimmen. Die Höhe des jährlich zu leistenden Mitgliedsbeitrages richtet sich nach dem Bruttosozialprodukt des jeweiligen Landes. Dieses Prinzip der Solidarität der reichen Länder mit unseren ärmeren Brüdern (vor allem in Afrika) gilt auch bei den Beiträgen für Jamborees, Moots und Weltkonferenzen selbst. Bei Nichtbezahlung werden Sanktionen verhängt – das heißt, zunächst verliert man sein Stimmrecht bei Konferenzen, und schließlich kann das sogar zu einem Ausschluss aus dem Weltverband führen – und damit hat man auch die Möglichkeit zur Teilnahme an Jamborees und mehr verspielt. Offizielle Vertreter der PPÖ gegenüber anderen nationalen Verbänden und dem Weltverband sind die Bundesbeauftragten für Internationales (International Commissioners), die alle drei Jahre auf der Bundestagung der PPÖ gewählt werden.

Thomas Ertlthaler und Andreas Kranzelmayer