Leitfaden zur RaRo-Wache
Download (.pdf) (ca. 4 MB)
Die Wache der Ranger & Rover Mystik, Methode und Momentaufnahme.
Auf den ersten Blick ist die Wache einfach eine Methode der Ranger & Rover, doch bei näherem Hinsehen ist der Begriff oft verbunden mit beinah geheimnisvollen Vorstellungen - gerade bei all jenen, "sie" noch nicht erlebt haben. Manchmal wirkt sie traditionell oder auch konservativ angehaucht, mit Ritualen, die in verschiedenen Pfadfindergruppen ganz unterschiedlich gelebt und weitergegeben werden.
Fest steht, dass sie für jeden, der sie schon mal erlebt hat, ein ganz besonderes Ereignis war und meist auch noch immer ist – egal wie lange es her ist: Ein Erlebnis, das oft eine Unterstützung in einer wichtigen Lebenssituation war, in der die Wache auch eine Bestärkung für eine bereits getroffene Entscheidung geben konnte oder der Person am Weg zu dieser Entscheidung geholfen hat. Doch auch für jene Person, die in begleitender Rolle zur Verfügung stand, ist sie oft eine wichtige Erfahrung und stärkt die Beziehung zwischen dem "Wachenden" und dem Wache-Begleiter.
Warum gibt es die Wache gerade bei den RaRo?
Die Wache fand Einzug als Methode in den RaRo-Arbeitsbehelf "Das Buch" aufgrund der besonderen Situation in der sich Jugendliche im Alter zwischen 16 und 20 Jahren meist befinden: Zwischen Kind, Jugendlichem und Erwachsenen, in besonderen Entscheidungssituationen, die wesentlichen Einfluss auf die weitere Lebensgestaltung haben. Zwischen Schule, Studium, Ausbildung und Beruf. Zwischen Beziehungen, Freunden, Eltern. Kurz – eine turbulente Zeit.
Und genau in dieser Zeitspanne, in der sich Jugendliche immer mehr auf eigene Beine stellen ist es wichtig, sie dabei zu unterstützen, den Raum zu geben, nachzudenken, Zeit zu haben, für sich selbst, ganz persönlich und mit anderen die Gedanken zu teilen. Umso besser, wenn dies in einem gewohnten und liebgewonnen Umfeld, also der RaRo-Runde geschehen kann.
Die Wache ist eine Methode, bei der der einzelne im Mittelpunkt steht, die Gemeinschaft aber gleich wichtig ist und eine wesentliche Rolle einnimmt, die in dieser Form wohl auch einzigartig ist. Das kann jeder bestätigen, der bereits eine Wache erlebt hat.
Die Wache - eine Erfindung der PPÖ?
Nein, sicherlich nicht. Andere Pfadfinderverbände aus Europa bieten in ihren pädagogischen Konzepten der ältesten Stufe ähnliche Ideen.
Interessant ist, dass sich sehr viele Ähnlichkeiten mit unserer bekannten RaRo-Wache auch in der Erlebnispädagogik wiederspiegeln, z.B. in der Methode "Solo". ("Erleben und Lernen – Einführung in die Erlebnispädagogik, Bernd Heckmair, Werner Michl, 5. Auflage, Reinhardt Verlag, München, 2004, S. 97 ff) . Hier wird das Solo so beschrieben, dass jeder Teilnehmer eine Zeitspanne von 12 bis 36 Stunden, eigentlich immer eine Nacht mit einschließend, allein an einem selbst gesuchten Platz verbringt: in einem Wäldchen, am Ufer eines Baches, am Höhenrücken eines Hügels.
Die Ausrüstung reduziert sich auf die wesentlichen Dinge, Proviant, eine Plane mit Schnüren, Schlafsack, Schreibzeug. Sinn dieser Reduktion ist Ablenkungen zum Zeitvertreib zu vermieden. Die unmittelbare Umgebung mit Tieren und Pflanzen, dem Wetter, Licht, Schatten sollen in ihrer Reizarmut Raum zur Besinnung schaffen. Da auf keine zeitlichen Schritte reagiert werden muss, sind die Bedingungen für eine störungsfreie Reise ins Innere geradezu ideal.
Für den Begleiter ist ganz wesentlich, die Situation aus Sicht der Teilnehmer vorzustellen, deren Ängsten und Vorbehalten mit dem nötigen Maß an Einfühlungsvermögen zu begegnen und auch in der Vorbereitung darauf einzugehen.
Der neue Leitfaden zur RaRo-Wache
Die RaRo-Teams der LVs Salzburg und NÖ haben nun Unterlagen zusammengestellt die einen Überblick über unterschiedliche Möglichkeiten der Wache geben und JugendleiterInnen darauf vorbereiten, selbst eine Ranger, einen Rover bei der Wache zu begleiten.
Das Dokument "Die RaRo-Wache" kann hier als pdf (ca. 4 MB) downgeloadet werden: raro_wache_2008.pdf
Dazu gibt es in Kürze auch eine Sammlung von Impulstexten, die sich gut dafür eignen, jemandem auf die Wache mitzugeben. Und anschließend wird es zusätzlich auch Berichte von jungen Menschen geben, die bereits eine Wache erlebt haben.
Die Begleitung des Wachewerbenden ist auch eng mit dem Thema Coaching verbunden. Ein junger Mensch, in einer Lebensphase die wichtige Entscheidungen für die Zukunft bringt, will begleitet werden. Alle Gespräche in der Vorbereitung und auch in der Reflexion nach der Wache geben einen wichtigen Gedankenanstoß. Wir müssen uns dieser Verantwortung bewusst sein und behutsam damit umgehen, noch mehr und intensiver, als das in der Alltags-RaRo-Arbeit vielleicht notwendig ist.
Wir wünschen allen, dass die Wache zu einer attraktiven Möglichkeit wird, sich selbst mit Entscheidungen und gewissen Lebenssituationen auseinanderzusetzen und auch den uns anvertrauten Jugendlichen diese Chance zu geben und sie dabei bestmöglich zu begleiten.
Birgit Sedlmayer-Gansinger
Bundesbeauftragte für Ranger







