Inipi - die indianische Schwitzhütte

Gerade auf einem Winterlager ist eine Sauna eine besonders nette Sache. Man kann aber auch im Sommer in einer "Inipi" schwitzen ...
Inipi - die indianische Schwitzhütte

Das Ritual der Schwitzhütte war bei den verschiedenen Stämmen der nordamerikanischen Indianer weit verbreitet und diente der zeremoniellen Reinigung und physischen Gesunderhaltung sowie der Heilung bei Erkrankungen. Inipi bedeutet in der Sprache der Lakota-Indianer "sie schwitzen" und gehört zu den Sieben Riten der Heiligen Pfeife. Es wird seit etwa 2400 Jahren bis heute durchgeführt.

Bau einer Inipi

Die Schwitzhütte wird in der traditionellen Form in einem rituellen Vorgang aus Weidenstäben oder Haselnussruten errichtet. Ihr braucht:

  • 12 bzw. 16 frische Haselnuss- oder Weidenstäbe von ca. drei Meter Länge
  • mehrere Laufmeter dünner frischer Haselnuss- oder Weidenzweige
  • Schnur (ganz original verwendet man natürlich Rindenstreifen oder geflochtenes Gras)
  • mehrere Steine - mehrere Decken oder Planen

Die Stäbe werden kreisförmig in den Boden gesteckt, zusammengebogen und an der Spitze verbunden. Die entstandene Kuppel wird durch vier Ringe stabilisiert.

Inipi: Schwitzen im Stil der Lakota-Indianer Inipi: Schwitzen im Stil der Lakota-Indianer

In der Mitte der Hütte wird ein Loch für die heißen Steine gegraben. Die ausgehobene Erde häuft man neben dem Eingang zu einem "Heiligen Hügel" auf. Die Feuerstelle befindet sich sechs Schritte entfernt und ist durch einen Weg mit der Hütte verbunden. Das Feuer steht für die Sonne, die Hütte für die Erde, die durch die Sonne Energie erhält.

Für ein Reinigungsritual werden meist 32 und für ein Heilungsritual 64 Steine benutzt. Die Steine sollten nicht aus einem Gewässer stammen, da sie sonst beim Aufheizen bersten können. Zum Gebrauch deckt man das Gerüst mit Fellen oder Decken ein. Eine Schwitzhütte ist etwa 6 bis 7 Fuß hoch und bietet 7 bis 8 Menschen Platz.

Der Bau der Hütte unterliegt differenzierten Regeln, von der Wahl des Platzes, über die Beachtung der Himmelrichtungen und der Anzahl der verwendeten Holzstäbe. So werden z. B. für eine Familienschwitzhütte 12 Weidenstäbe verwendet, während eine Hütte aus 16 Stäben für die Heilungsrituale der Medizinmänner vorgesehen sind. Der Eingang befindet sich traditionellerweise auf der Westseite.

Das Ritual

Für den Ablauf des Schwitzhüttenrituals ist ein Ritualleiter verantwortlich, der die Regeln und Bedeutungen interpretiert und sie variieren kann. Auch die Plätze in der Schwitzhütte haben eine Bedeutung und sind verschiedenen menschlichen Problematiken zugeordnet.

Während des Schwitzhüttenrituals, werden die ausgesuchten Steine in der nahe gelegenen Feuerstelle erhitzt, durch den Feuerhüter in die Schwitzhütte getragen, mit Kräutern bestreut und mit Wasser übergossen. Dieser Vorgang wird vier mal wiederholt und von intensiven Gebeten begleitet. Zwischen den Gängen verlassen die Teilnehmer die Hütte.

Schwitzen und beten soll eine äußere und innere Reinigung und die Wiedervereinigung mit dem Geist bewirken. Die Schwitzhütte mit ihrer Kuppel gleicht nach der traditionellen Erklärung dem Bauch einer schwangeren Frau, die auf der Erde liegt. So kehren die Teilnehmer in den Bauch der Mutter und der Mutter Erdboden zurück und erleben durch die rituell aufgerufenen Energien eine Reinigung, Erneuerung und Neuschöpfung ihrer Lebensenergie.

Natürlich funktioniert die Sache auch ohne Gebete und heilige Hügel. Man kann auch noch eine fünfte Wiederholung anhängen oder schon nach der zweiten abbrechen. Ob ihr den Bau und Betrieb einer Inipi nun als einfache Sauna anseht oder euch tiefer in dieses archaische Ritual einlassen wollt, bleibt euch überlassen.

Wer mehr über das Schwitzhüttenritual wissen will, der kann sich mit diesem Buch informieren:

Annie Pazzogna (1998): Inipi. Das Lied der Erde. Die indianische Schwitzhütte, Arun Verlag, 2. Auflage