Vision 2020 wirkt weiter - eine Analyse

Eine spannende Analyse der niederösterreichischen PfadfinderInnengruppen, welche Elisabeth Nowak im Jahr 2008 als Diplomarbeit verfasst hat, wird im Rahmen der Serie "Vision 2020 wirkt weiter" vorgestellt.
Vision 2020 wirkt weiter  - eine Analyse

Die Ausgangsbasis

Basis ihrer Arbeit waren die Registrierungszahlen über einen Zeitraum von knapp zehn Jahren, eine damals durchgeführte Umfrage mittels Fragebogen unter den niederösterreichischen Gruppen und eine Literaturstudie. Die Auswertung erfolgte mittels statistischer Methoden. Elisabeth Nowak hat dabei die nachfolgenden Einflussfaktoren auf die Anzahl der Gruppenmitglieder an Hand des Datenmaterials beurteilt. Ausgangspunkt ist immer die Frage: Welche Faktoren führen zu hohen Mitgliederzahlen in einer PfadfinderInnengruppen.

Einflussfaktoren auf die Mitgliederzahl einer Pfadfindergruppe

Auswertung der Daten

Einwohnerzahl der Gemeinde

Hier ergibt sich ein eindeutiger, direkter Zusammenhang zwischen der Einwohnerzahl einer Gemeinde und der Anzahl der PfadfinderInnen in einer. Dies bestätigt wohl einen Verdacht, den viele von uns gehabt haben.

Vereinsdichte in der Gemeinde

Auch hier bestätigt die Analyse der Daten eine oft gehegte Vermutung. Je mehr Vereine es in einer Gemeinde gibt, desto weniger Mitglieder hat die PfadfinderInnengruppe vor Ort, dieser Zusammenhang ist signifikant.

Gründungsjahr und Gilde

Die genaue Betrachtung dieser drei Variablen zeigt, dass je älter eine Gruppe ist, desto eher hat sie eine Gilde. Eine Gilde wiederum wirkt sich positiv auf die Anzahl der Gruppenmitglieder aus. Das Alter einer Gruppe alleine sagt nichts über deren Größe aus.

Funktionsdauer Elternratsobmann und Elternratsobfrau

Die Betrachtung der Zusammenhänge zwischen Alter und Funktionsdauer der Gruppenleitung beziehungsweise der Elternratsmitglieder erbrachte nur bei der Länge der Funktionsdauer des Obmanns beziehungsweise der Obfrau ein nennenswertes Ergebnis: Je länger er oder sie im Amt ist, desto mehr Mitglieder hat die PfadfinderInnengruppe. Elisabeth Nowak liefert dafür auch eine gute Erklärung: "So gesehen können die Erfahrung der Obleute beziehungsweise auch eventuell deren Bekanntheit in der Gemeinde als positiver Einfluss für die Gruppengröße betrachtet werden" (Nowak 2008, S. 53).

Erfahrung und Ausbildung der LeiterInnen

Einen schwachen, aber vorhandenen direkten Zusammenhang gibt es bezüglich der Erfahrung der LeiterInnen, also der Dauer ihrer Leitungstätigkeit, und der Größe der PfadfinderInnengruppe. Die formale Ausbildung (Seminarbesuch) wirkt sich hingegen nicht auf die Anzahl der Mitglieder einer PfadfinderInnengruppe aus.

Tätigkeitsbereich des Elternrates

Einen mittelgroßen Zusammenhang gibt es bei den analysierten Gruppen zwischen den Tätigkeiten des Elternrates und der Mitgliederanzahl. Je mehr ein Elternrat sich um die finanziellen Belange der Gruppe kümmert und je weniger dies daher die Gruppenleitung machen muss, umso mehr Mitglieder hat die PfadfinderInnengruppe.

Literaturanalyse

Um das Bild abzurunden hat Elisabeth Nowak noch eine Literaturanalyse vorgenommen.

Attraktivität des Programms

Wie der Hausverstand, so sagt auch die Literatur, dass ein attraktives Programm die Anzahl der Mitglieder direkt beeinflusst. Voraussetzungen dafür sind die nachfolgenden Faktoren:

Engagement und Motivation der LeiterInnen

Auch hier folgt die Literatur den gefühlsmäßigen Vermutungen. Je engagierter JugendleiterInnen sind, umso besser ist da Programm, welches sie anbieten. Gibt es nur wenige JugendleiterInnen in einer PfadfinderInnengruppe, und sind diese engagiert, so besteht die Gefahr der Überbeanspruchung, durch das vermehrte Übernehmen von "Zusatzaufgabe". Dies kann in einer negativen Spirale zur Demotivation der LeiterInnen und der Kinder und Jugendlichen führen.

Motivation der LeiterInnen ansprechendes Programm zu bieten, sich ständig auszubilden und weiterzubilden, Neues auszuprobieren sind ebenso wichtige Faktoren für die gute Arbeit in einer PfadfinderInnengruppe und die Größe derselbigen: "Somit kann festgehalten werden, dass zufriedene, motivierte und engagierte Mitarbeiter die wertvollste Ressource für einen Verein sind" (Nowak 2008, Seite 66).

Identifikation der LeiterInnen mit der PfadfinderInnengruppe

LeiterInnen, welche sich stark mit den Werten und Zielen der PfadfinderInnen beziehungsweise ihrer PfadfinderInnengruppe identifizieren, setzen sich mehr dafür ein und leisten daher auch bessere Arbeit.

Zusammengehörigkeitsgefühl der LeiterInnen

Als eine der wichtigsten internen Variablen, die einen Einfluss auf die Mitgliederanzahl einer Pfadfindergruppe nimmt, kann das Zusammengehörigkeitsgefühl der LeiterInnen angesehen werden. "Wenn sich die LeiterInnen in einer Pfadfindergruppe untereinander gut verstehen und sich dementsprechend auch aneinander gebunden fühlen, hat das positive Auswirkungen auf die Motivation" (Nowak 2008, Seite 68).

Empfehlungen

Folgende Empfehlungen zur Erhöhung der Mitgliederzahlen einer PfadfinderInnengruppe werden in der Diplomarbeit auf Basis der Analyse der Daten und der Literatur genannt:

  • Attraktivität des Programms erhöhen
  • Zusammenhalt im Leitungsteam. Dies bewirkt auch eine längere Verweildauer und eine höhere Identifikation mit der Gruppe, woraus sich wiederum mehr Engagement und Motivation der LeiterInnen ergeben.
  • Einsatz der Erwachsenen nach ihrer Fähigkeiten und Ressourcen, um Überforderungen zu vermeiden – wichtig dabei auch: der Elternrat muss für sich für seine Agenden zuständig fühlen.
  • Gute Obmänner beziehungsweise Obfrauen möglichst lange im Amt lassen.
  • Gute Öffentlichkeitsarbeit (auch Gruppenzeitung, starkes Einbindung der Eltern in den Elternrat...)
  • Eine etwaige Gildengründung fördern
  • Stufenübertritte friktionsfrei gestalten

Abschließend noch ein wichtiger Satz aus der Arbeit: "[..] es hängt von den internen Faktoren ab, sprich hauptsächlich von den Leitern, ob eine Gruppe bestehen bleibt und neue Mitglieder gewinnen kann" (Nowak 2008, Seite 76).

Quelle: Nowak, Elisabeth (2008): Strukturanalyse von Vereinen: Am Beispiel der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Niederösterreichs. Diplomarbeit. 2008. Salzburg.

Im nächsten Teil der Serie "Vision wirkt weiter" folgt ein Bericht der Gruppe Innsbruck Pradl zum Thema Werteentwicklung im Gruppenrat.