Vision2020 wirkt weiter - Die attraktive PfadfinderInnengruppe

von Andreas Furm am 01.06.2011
In unserem Gruppen-Selbstbild ist die eigene PfadfinderInnengruppe immer attraktiv. Doch wie sieht dieses Bild in der Öffentlichkeit aus? Die Dänischen PfadfinderInnen haben dazu eine Studie veröffentlicht, die es wert ist anzuschauen.
Vision2020 wirkt weiter - Die attraktive PfadfinderInnengruppe

Was macht eine PfadfinderInnengruppe attraktiv?

In den Jahren 2005 und 2006 haben die dänischen PfadfinderInnen ein Beratungsunternehmen mit der Analyse beauftragt, "wie die attraktive PfadfinderInnengruppe aussieht". Als attraktiv wurden jene 40 Prozent angesehen, welche einen Mitgliederzuwachs in den letzten zehn Jahren hatten, speziell wurden davon jene betrachtet, die ein überdurchschnittliches Wachstum - gemessen an der regionalen Bevölkerungsstruktur - aufwiesen. Die Analyse sollte zeigen, welche Faktoren diese attraktiven PfadfinderInnengruppen gemein haben.

Das spannendste und hoffnungsvollste Ergebnis der Umfrage war:

  • externe Faktoren, wie die Anzahl und die Qualität der Alternativangebote, den Bildungsstand beziehungsweise das Einkommen der umliegenden Bevölkerung, die Anzahl der Kinder- und Jugendlichen in der Umgebung der Grupp, haben nur einen Anteil von 20 Prozent.
  • interne Faktoren, wie attraktive Aktivitäten und die Qualität der JugendleiterInnen, haben einen Anteil von 80 Prozent und liegen in der Hand der PfadfinderInnengruppe.

Fünf zentrale Thesen zur attraktiven PfadfinderInnengruppe

  1. Kinder und Jugendliche werden ernst genommen

    Die attraktive Gruppe geht wenig Kompromisse ein, sie stellt die Kinder und Jugendlichen in das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit und fordert eine bewusste Entscheidung zum Dabeisein ein.

  2. Teamgeist ist zentral

    Alle JugendleiterInnen einer attraktiven Gruppe bilden ein Team! Es gibt ergebnisorientierte Besprechungen und einen professionellen, sozialen Umgang miteinander. Die JugendleiterInnen werden durch ein Gruppenleitungsteam intensiv betreut.

  3. Leadership als Grundlage

    Die attraktive Gruppe wird von einem visionären und erfahrenen, aber auch pragmatischen Gruppenleitungsteam geleitet. Die Gruppenleitung muss zusätzlich keine Stufe betreuen und kann sich daher voll auf die Administration und Organisation, sowie vor allem das nursing ("bemuttern") der JugendleiterInnen kümmern.

  4. Hohe Ansprüche und Ziele

    Die attraktive Gruppe setzt sich ehrgeizige Ziele! Sie betreibt herausfordernde PfadfinderInnenarbeit, nimmt an nationalen und internationalen Lagern und Aktionen teil und führt öffentliche Veranstaltungen, sowie große, herzeigbare Projekte durch.

  5. Vereinfachung – Konzentration auf das Wesentliche

    Die JugendleiterInnen einer attraktiven PfadfinderInnengruppe leiten einfach und unkompliziert. Sie können sich auf die Arbeit mit ihren Kindern und Jugendlichen konzentrieren. Heim, Material und das Rundherum bilden eine feste Grundlage, die Eltern helfen mit. Es gibt einen Jahreskalender mit einer Vielzahl an fixen Aktivitäten, die sich teilweise auch routiniert wiederholen lassen.

Fazit

Erkennst du deine Gruppe wieder? Eine andere attraktive Gruppe in deiner Nähe? Glaubst du deine Gruppe könnte attraktiver und erfolgreicher sein, wenn sie die eine oder andere These übernimmt?

Die Definition von "attraktive PfadfinderInnengruppe" ist in diesem Fall stark quantitativ geprägt, allerdings sind die sich daraus ergebenden fünf Thesen eine starke qualitative Ansage, die sich auch jede österreichische PfadfinderInnengruppe zu Herzen nehmen könnte.

Elisabeth Nowak hat 2008 eine Diplomarbeit mit einem ähnlich gelagerten Thema über die Niederösterreichischen PfadfinderInnen verfasst. Dazu mehr beim nächsten Mal...