Biber - Bundesrat trifft Entscheidung
Der Bundesrat (laut Verbandsordnung für Pädagogik und Verbandsorganisation der PPÖ zuständig; Mitglieder sind die Landesleitungen aller neun Bundesländer, die Bundesleitung, die Bundesbeauftragten für Internationales und die Bundesbeauftragten für Pfadfinderausbildung) setzte sich in Gallneukirchen vom 14. bis 15. April 2007 mit dem Thema Biber auseinander und kam auf Basis der Empfehlung des Arbeitskreises für Ausbildung zu folgendem Beschluss:
Beschluss des Bundesrates vom 15.04.2007:
- Die PPÖ legen den Fokus auf die Förderung der Jugendstufen.
- Biber sind keine Altersstufe der PPÖ und sind als solche nicht in der Verbandsordnung verankert.
- Es gibt keine bundesweite BiberleiterInnenausbildung und keine LagerleiterInnenberechtigungen.
- Wenn eine Gruppe Biber führen möchte, muss sie vorher die Genehmigung beim Landesverband einholen. Damit können Biber und BiberleiterInnen registriert und somit Verbandszugehörige werden (Verbandsordnung 2.4.2.2).
- Jene Landesverbände, in denen es Biber gibt, einigen sich auf die gleichen Richtlinien, unter welchen Voraussetzungen eine Gruppe Biber haben darf.
- Bevor ein Landesverband erstmals Biber genehmigt, hat eine Absprache mit den anderen Landesverbänden zu erfolgen.
Der Beschluss wird einstimmig angenommen (Protokoll des Bundesrates 14./15.4.2007).
Wie alles begann
Im Jubiläumsjahr 2007 feierten die Biber ihr dreißigjähriges Bestehen, denn 1977 erteilte der Bundesverband der PPÖ sehr pragmatisch dem Landesverband Wien die Genehmigung zur Gründung einer Bibergruppe.
Seitdem sind vor allem in Wien und Niederösterreich Bibergruppen gegründet worden. Biber sind also kein österreichweites Phänomen. Trotzdem hat die Diskussion um die Ausbildung von BiberleiterInnen in den letzten Jahren zugenommen. In der Regelausbildung für StufenleiterInnen (WiWö bis RaRo) und GruppenleiterInnen ist kein österreichweiter Ausbildungsweg für BiberleiterInnen vorgesehen. Deshalb haben die Landesverbände Wien und Niederösterreich begonnen, Grundlagenseminare für BiberleiterInnen anzubieten. Dies führte dazu, dass einerseits vermehrt BiberleiterInnen auf Woodbadgekurse fahren wollten und andererseits auch der Ruf laut wurde, die Biber als fünfte Stufe der PPÖ anzuerkennen.
Um zu einem österreichweit gültigen Beschluss zum Thema Biber zu gelangen, hat sich die Bundesausbildung, d.h. alle Ausbildungsbeauftragten der Länder und des Bundesverbandes, in verschiedenen Arbeitsgruppen mit dem Thema Biber beschäftigt. Im März 2006 wurde bei der letzten intensiven Auseinandersetzung der Ausbildung mit dem Thema eine Empfehlung als Entscheidungsgrundlage für den Bundesrat formuliert.
Als Begründung wurden drei Hauptpunkte ins Treffen geführt:
- Erstmals wurden die "Beaver" in Kanada als Altersstufe eingeführt und ein Anstieg der Mitgliederzahlen konnte für kurze Zeit beobachtet werden. Im Laufe der Jahrzehnte nahm jedoch die Anzahl der älteren Mitglieder stetig ab, im Jahr 2003 zählte man schließlich 36.250 "Beaver", 5.547 "Senior Scouts" und nur mehr 1.116 "Rover".
WOSM kommentierte diese Entwicklung folgend: "...when you give to your association the image of a child movement, it is much more difficult to attract adolescents; and, if the number of adolescents (Senior Scouts) and young adult (Rovers) is low, you cannot show to society, in a concrete way, what Scouting can achieve" (Dominique Bérnard, Youth programme Unit, World Scout Bureau).
- Die Kinder- und Jugendbewegung der Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs ist ein gut durchdachtes und bewährtes System mit einem "Roten Faden". Die wesentlichen Elemente die uns PfadfinderInnen ausmachen, sind mit der Altersgruppe jünger als WiWö nur eingeschränkt umsetzbar. Dazu zählen wir vor allem das Prinzip der Ganzheitlichkeit durch die acht Schwerpunkte, die Fähigkeit und auch das Üben einer altersgerechten (Selbst-) Reflexion, Entscheidungsfindung, Gemeinschaftsfähigkeit und Teamwork.
Elemente, die nach innen und außen die PfadfinderInnenbewegung charakterisieren, wie z.B. Versprechen, Gesetz, Uniform, Prinzip der Kleingruppenarbeit, aktive Teilnahme am Geschehen der Gruppe,... sind laut Aussagen der befragten Experten und Expertinnen und auch der LeiterInnen (Befragung erfolgte Frühjahr/Sommer 2005) aufgrund der kognitiven Entwicklung nur sehr eingeschränkt möglich bzw. wenig sinnvoll.
- Das Biberalter ist ein Alter mit besonderen Anforderungen an die BetreuerInnen. Daher ist es für diese unerlässlich, Erfahrung in der Arbeit mit Kindern dieses Alters zu haben, sei es als Mutter, Kleinkindpädagoge, -pädagogin, HortleiterIn oder Tagesmutter – oder aus einer speziellen Ausbildung bzw. persönlichen Erfahrung. Dies scheint wichtiger als der "Erfahrungsschatz" aus der Pfadfinderwelt.
Auch das Alter der BetreuerInnen verdient Aufmerksamkeit: Sie müssen laut den Experten und Expertinnen ein gewisses Alter und Reife besitzen, da die Bezugsperson für Kinder dieses Alters eine besondere Rolle spielt und eine intensive individuelle Betreuung notwendig ist. Die gesetzliche Lage bezüglich der Betreuung von Kindern unter 6 Jahren ist zudem noch nicht ausreichend geklärt.
Fazit
Die Entscheidungsgremien der PPÖ sprechen damit kein dezidiertes Verbot von Bibergruppen aus, möchten diese Entwicklung aber auch nicht weiter fördern.
Die Situation und das Engagement für Biber sind in den Ländern derzeit sehr unterschiedlich. Die Vernetzung der Landesverbände, die bereits Bibergruppen haben, wird seit zwei Jahren praktiziert. Dadurch ermöglicht man jenen Gruppen, die Biber haben, einen einheitlichen Wissenstand über organisatorische Anforderungen und mögliche Inhalte.
Unser Ziel ist es, die bestehenden Ressourcen – personell und finanziell - bewusst in die Förderung der Jugendstufen zu investieren. Wir möchten damit die Arbeit in den bestehenden Altersstufen fördern und gezielt weiterentwickeln, sodass die Wichtel und Wölflinge bis zu den Ranger und Rover begeistert dabei bleiben, möglichst viele Mitglieder somit das PPÖ-Ziel erreichen und darüber hinaus jene Personen im Verband gehalten werden, die sich im Sinne von "Adults in Scouting" bei den Pfadfinder und Pfadfinderinnen Österreichs als LeiterInnen engagieren wollen.







