Augenlicht für Burkina Faso
Kaboré lebt in Burkina Faso, einem Land in Westafrika. Burkina Faso ist ca. dreimal so groß wie Österreich und hat 13,7 Mio. Einwohner, fast die Hälfte davon lebt unter der Armutsgrenze. Trotz niedriger Lebenserwartung und hoher Kindersterblichkeit – jedes fünfte Kind erlebt seinen fünften Geburtstag nicht - wächst die Bevölkerung sehr schnell. In Burkina Faso werden über 60 verschiedene Sprachen gesprochen, zusätzlich zum Französischen, der Sprache der ehemaligen Kolonialherren. Seit 1960 ist Burkina Faso unabhängig und heute das zweitärmste Land der Welt.
Das macht sich auch in der Gesundheitsversorgung bemerkbar. In großen Städten gibt es mit Glück noch ein mehr oder weniger gut ausgestattetes Spital, die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung lebt aber am Land, wo der nächste Arzt weit weg ist. Oft unerreichbar weit, denn kranke Menschen können die stundenlangen Fußmärsche nur mit Mühe zurücklegen und selbst wenn sie Hilfe finden, fehlt das Geld für die Behandlung. So führen behandelbare und vermeidbare Krankheiten oft zu lebenslangen Behinderungen.
Behinderung und Armut
Menschen mit Behinderungen haben es in Entwicklungsländern doppelt schwer. Ein Mensch, der sich in Europa weitgehend unabhängig mit dem Rollstuhl fortbewegt, kommt in Afrika oft nur kriechend voran, denn Hilfsmittel wie Krücken oder Prothesen sind Mangelware. Auch haben diese Menschen keinen Zugang zu Schul- oder Berufsausbildung, das wenige Geld wird eher für "gesunde" Familienmitglieder ausgegeben. Besonders hart trifft das Frauen und Mädchen, denn ihre Brüder werden ihnen oft vorgezogen. Wer keine Ausbildung, keinen Beruf hat und ständig auf die Hilfe anderer angewiesen ist, versinkt unweigerlich in Armut.
Ein Mensch, der nicht sehen oder gehen kann, wird außerdem als Belastung für die Familie angesehen. Der blinde Großvater braucht beständig einen Enkel an seiner Seite, der ihn betreut und führt. So fehlen im Haushalt und bei der Feldarbeit nicht nur zwei, sondern bereits vier Hände. Diskriminiert, vernachlässigt und vom Gemeinschaftsleben ausgeschlossen bleibt vielen nichts anderes über, als sich ihren mageren Lebensunterhalt zu erbetteln.
Hilfe aus Österreich
Die österreichische Fachorganisation LICHT FÜR DIE WELT setzt sich seit Jahrzehnten für die Rehabilitation von Menschen mit Behinderung ein, um ihre Lebenssituation und die ihrer Familien zu verbessern. Im Rahmen solcher gemeindenahen Rehabilitationsprogramme in Burkina Faso wurde bald offensichtlich, dass ein hoher Teil der Patienten und Patientinnen blind oder von Blindheit bedroht waren.
Wenn die Welt grau wird ...
Fast die Hälfte aller erblindeten Menschen leidet an Grauem Star, einer Trübung der Augenlinse. Anfangs legt sich ein Schleier über den Blick, bald wird er dichter und führt unbehandelt schließlich zur vollkommenen Blindheit. Grauer Star kann durch Krankheiten entstehen, Verletzungen oder einfach als Folge des Älterwerdens. In Entwicklungsländern sind viel mehr Kinder davon betroffen als bei uns. Sie werden mit getrübten Linsen geboren, oft weil die Mutter in der Schwangerschaft krank geworden ist, oder sie verletzen sich beim Spielen am Auge. Da es kaum medizinische Versorgung gibt, wissen die Eltern meistens nicht, ob und wie sie ihren Kindern helfen können.
Aber Grauer Star ist heilbar. In einer relativ einfachen und kurzen Operation wird die undurchsichtige Linse entfernt und durch eine klare Kunstlinse ersetzt, das Augenlicht ist gerettet. Doch diese Operation schenkt noch viel mehr als die Fähigkeit zu sehen! Die ehemals blinden Menschen nehmen wieder am Sozialleben teil, arbeiten, die Kinder gehen in die Schule, spielen mit Freunden. Für die Familie bedeutet es sehr viel, wenn die Großmutter wieder auf die Enkel aufpassen kann, anstatt selbst Betreuung zu brauchen. Oder wenn das Kind lesen und schreiben lernt und im Haushalt mithilft, anstatt regungslos und einsam in einer Ecke zu liegen. Für diese Menschen und ihre Familien bedeutet es die Welt!
Augenklinik Zorgho - Licht für tausende Menschen
Zorgho ist die Provinzhauptstadt von Ganzourgou, einer dicht besiedelten Provinz im Zentrum des Landes. Für die 2,5 Mio. Menschen in den umliegenden Gebieten gab es keine augenmedizinische Versorgung, für 37.000 blinde Menschen keine Hoffnung. Deshalb beschloss LICHT FÜR DIE WELT gemeinsam mit der Diözese Koupéla eine Augenklinik zu bauen. Eröffnet wurde sie im Dezember 2004 und seitdem wurden dort tausende Menschen am Grauen Star operiert!
In dieser Klinik wurde auch Großmutter Kaboré behandelt. Sie ist eine von unzähligen Menschen, die in Zorgho zum ersten Mal seit langem wieder die Sonne gesehen haben. Die Klinik ist ein großer Lichtblick für die Bevölkerung: Es gibt nicht nur weniger blinde Menschen, auch die allgemeine Gesundheitsrate hat sich erhöht, die ehemaligen Patienten und Patientinnen werden wieder in die Gesellschaft integriert und auch auf die Wirtschaft der Region wirkt sich das medizinische Zentrum positiv aus. Ein wichtiger Prozess zur profunden und langfristigen Verbesserung der Lebenssituation in Burkina Faso ist damit in die Wege geleitet.
Hilfe, die ankommt
Großmutter Kaboré kann wieder sehen. Ihre Operation wurde durch eine Spende aus Österreich ermöglicht. Denn 30 Euro reichen aus, um in einem Entwicklungsland eine Star-Operation zu finanzieren. Mit 30 Euro kann man einem Menschen Augenlicht schenken. Und noch viele sitzen im Warteraum in der Klinik in Zorgho, sie haben den weiten Weg zur Klinik bewältigt und hoffen auf Hilfe und mit ihnen ihre Eltern und Geschwister, ihre Kinder und Enkel. Mit ein bisschen Hilfe können auch sie bald wieder vor Freude tanzen.
Weitere Informationen
- LICHT FÜR DIE WELT - Mag. Petra Mühlberger: p.muehlberger@licht-fuer-die.welt.at
- Auszüge aus den Bildungsmaterialien
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