Weltjugendtag 2005 in Köln
Bei der Verteilung des ORF-Friedenslichtes an die ausländischen Pfadfinderdelegationen letztes Jahr in Wien, ahnten wir bereits, dass unsere deutschen Pfadfinderbrüder und -schwestern, insbesonders von der DPSG (Deutsche Pfadfinderschaft St. Georg) für den 20. Weltjugendtag in Köln etwas besonderes geplant hatten - ihr Bundeskurat Guido Huegen ließ nicht umsonst die Abholung des Lichtes extra filmen. Damals dachte man natürlich noch an eine Lichtübergabe an Johannes Paul II., inzwischen gibt es nach 500 Jahren wieder einen deutschen Papst, ein besonderer Anlass für unsere deutschen Freunde.
Sicherheitshalber ließ ich mir die Zeit Mitte August frei, schließlich wollte ich beides erleben: 100.000e Jugendliche und die Lichtübergabe an Benedikt XVI. Der ORF-Linz mit dem bewährten Aufnahme- und Kamerateam Günther Hartl (zuständig für die ORF-Friedenslichtaktion) und Rudi Urban, sowie das Friedenslichtkind von 2004, Elke Wiesmeier mit Schwester, waren auch angesagt. Wir waren alle Gäste im Bundeszentrum der DPSG in Holzheim bei Neuss in der weiteren Umgebung von Düsseldorf und dem Marienfeld, wo die Megafeier in Form einer Vigilfeier stattfand.
Ja, es war ein Erlebnis der besonderen, wahrscheinlich einmaligen Art! Zuerst ging alles ziemlich schief, was schiefgehen konnte. Wettervorhersage nicht berühmt, total überfüllte Zugsgarnituren (erst beim 5. Zug konnten wir uns nach stundenlanger Wartezeit hineinpferchen), kilometerlange Fußmärsche über teils weiches Ackergelände, Verpflegungsausfall, Tagesabläufe mit über 20 Stunden, ebenso stundenlanges, nächtliches Warten auf Shuttlebusse, sowie auf die Akkreditierung und die Sonderausweise für das Kamerateam - letzteres in Köln - usw. Aber anschließend: (fast) alles Sonne und Waschtrog! Wir - 20 PfadfinderInnen und die zwei ORF-Mädchen - schafften alle rechtzeitig die Security-Kontrollen, bekamen die ersehnten "Backstage-Ausweise" mit dem wichtigen vierfärbigen Streifen, nur das Kamerateam erhielt in Köln unvollständige Ausweise, was sich später als nicht ganz problemlos herausstellte. Und dann standen wir - direkt auf dem Papsthügel mit der wolkenförmigen Dachkonstruktion - auf einer kleinen Tribühne neben 700 Kardinälen und Bischöfen. Vor uns das große Gelände des Marienfeldes, 800.000 begeisterte Jugendliche – unvergesslicher Anblick! Darunter auch fahnenschwingende, jugendliche PilgerInnen aus Österreich. Das Marienfeld war übrigens vor dem Kohleabbau einmal 500 Jahre lang ein Marienwallfahrtsort, gegründet von den Zisterziensern.
Im Laufe des späten Nachmittags trugen wir die deutsche Ausführung eines Friedenslichtes in Form einer Aluminiumkonstruktion mit fünf einzelnen Kerzen - die fünf Kontinente symbolisierend - über die kurzen Serpentinen den Hügel hinauf, aufgenommen vom ORF-Team aus Linz. Die große Stunde des ORF-Kamerateams kam dann als Papst Benedikt XVI. nach der Anfahrt durch die jubelnden Massen mit dem Papamobil den Hügel hinauf fuhr. Die abertausenden Jugendlichen brachen in "Benedetto, Benedetto-Rufe" aus. Und dann eine göttliche Fügung: Benedikt der XVI. stieg unmittelbar vor den Kamerateam aus dem Papamobil – auf diese Aufnahmen freuen wir uns schon. Kurz darauf erkannte einer der vielen Sicherheitskräfte, dass deren Ausweise nicht "vollständig" waren und dann war aus mit lustig.
Die Vigilfeier mit der Weihung einer neuen, großen Glocke auf Johannes Paul II. und dem erstmaligen Anläuten dieser Glocke unter den begeisterten Rufen der Menschen – ein Zeichen wie der polnische Papst noch immer verehrt wird –, dem Hinauftragen der Marien-Ikone, einem berühmten Symbol des Weltjugendtages, dem Verlesen des Evangeliums in fünf Sprachen durch den neuen Papst – ausgerechnet das Evangelium von der Geburt Jesus in Bethlehem -, sowie mit dem Anzünden einer großen Friedenslichtkerze durch zwei deutsche PfadfinderInnen und einer israelischen Pfadfinderin, war geprägt von einer unnachahmlichen Stimmung, die wir in unmittelbarer Nähe des Papstes voll miterleben durften.
Trotzdem hoffe ich persönlich, dass die meisten Jugendlichen mit dem Slogan: "Wir sind gekommen, um IHN anzubeten.", Jesus Christus gemeint haben.
Übrigens: 2008 gibt es den nächsten Weltjugendtag - in Sydney!
Bildnachweis: www.wjt2005.de
















