Für 24 Stunden nach New York

von Thomas Ertlthaler am 20.12.2004
Mit dem ORF-Friedenslicht aus Bethlehem zu den Boy Scouts of America (BSA).
Für 24 Stunden nach New York

Seit nunmehr 15 Jahren sind die PPÖ aktiv in der Verteilung des Friedenslichtes nach möglichst vielen Ländern über unser exzellentes internationales Netzwerk. Dieses Friedenssymbol in die USA zu bringen war immer ein besonderes Ziel. Nach erfolgreichen Transporten mit Privatjets aus der Erdölindustrie ist uns heuer die direkte Übergabe an Vertreter der BSA in New York gelungen.

Powered by AUA

"Powered by AUA", so könnte man dieses Projekt bezeichnen – denn unserer nationalen Fluglinie ist es zu verdanken, dass wir es trotz vieler Schwierigkeiten geschafft haben. Nachdem die AUA sich bereit erklärt hatte, den Transport des Friedenslichtes nach New York zu finanzieren, war das nächste Ziel, sämtliche Genehmigungen für dieses Unterfangen zu erhalten. Dazu gehört schon der Transport einer offenen Flamme durch den Flughafen und noch dazu in ein fliegendes Flugzeug! Der Check-in-Supervisor in Schwechat begleitete mich also am Samstag, 4. Dezember 2004, durch sämtliche Kontrollen bis zum Gate. Dort wurde ich vom "Head of Flight Safety & Security Training" der AUA persönlich empfangen und mit den zwei Laternen ins Flugzeug begleitet, wo bereits ein zweiter Sicherheitsbeamter wartete. Die Lampe wurde zunächst an einem eigenen Sitzplatz fixiert.

Thomas Ertlthaler und vor allem seine beiden Laternen werden während des Fluges von AUA-Flugsicherheit-Chef Thomas Heinrich nicht aus den Augen gelassen.

12.00 Uhr - Start in Wien

Bald nach dem Start zeigt sich jedoch, dass der reduzierte Sauerstoff in der Kabine für ein Aufrechterhalten der Flamme nicht ausreichen würde – also verstauten wir die beiden Lampen in der Galley (der hinteren Bordküche) und versorgten sie mit einer Sauerstoffleitung aus der bordeigenen Versorgung. Dort trotzten die Flammen sämtlichen Turbulenzen. Einer der beiden Sicherheitsbeamten war ständig beim Friedenslicht. Die Crew war beeindruckt und erfuhr von mir einiges über die PPÖ im Allgemeinen und das Friedenslicht im Speziellen. Auch einige Passagiere hatten Wind bekommen von unserem besonderen Transport und wollten selbigen auf Fotos festhalten. Schließlich erreichten wir nach fast 9 Stunden amerikanischen Luftraum und taten das Notwendige.

15.00 Uhr - Landung in New York

Obwohl es anfangs fast unmöglich erschien, Genehmigungen zur Einreise zu erhalten, interessierte sich in New York weder bei der Immigration noch beim Zoll irgendjemand für meine Fracht. Wie jeder andere Passagier wurde ich fotografiert und wurden meine Fingerabdrücke eingespeichert. Wer kann schon von sich behaupten, in den amerikanischen Unterlagen mit Pfadfinderuniform verewigt zu sein? Schließlich hatten wir es geschafft – das Friedenslicht aus Bethlehem und ich waren in den USA!

Empfang in der Airport Chapel

Die Boy Scouts of America heißen Thomas und seine lodernde Fracht auf dem John F. Kennedy International Airport willkommen.

Die Boy Scouts of America (und sogar einige Vertreterinnen der Girl Scouts) empfingen mich in der Flughafen-Kapelle des JFK International Airport mit einer großen Übergabefeier. Nach unzähligen Fotos und einem Interview durch die lokale Presse und die Flughafenzeitung durfte ich meine mitgebrachte Flamme löschen – denn mittlerweile brannte das Licht aus Bethlehem in den Herzen und Laternen der BSA und nahm von dort seinen Weg durch die gesamten USA; am selben Abend wurden bereits drei weitere Staaten erreicht.

New York, New York

Nach einer von den BSA gesponserten Nacht in einem Flughafenhotel nützte ich den Sonntag zu einer Fahrt nach Manhattan und pilgerte die Fifth Avenue vom Central Park Richtung Süden, vorbei am Ground Zero und ganz in den Süden zum Battery Park – das alles bei herrlichem Wetter.

Leaving New York never easy

Als ich dann am Flughafen wieder mit meinen zwei Laternen einchecken wollte, erwies sich das als nicht so einfach. Bewaffnet mit einer Bestätigung der AUA über den Transport der Laternen, die mittlerweile ja auch fast leer waren, sah ich mich trotzdem umzingelt von der Airport Security, die mir ein Einchecken verwehren wollte, weil ich ja nicht erlaubte und gefährliche Gegenstände in ihren Flughafen geschleppt hatte. Kurzfristig sah ich mich ein Schicksal wie Tom Hanks in "Terminal" erleiden. Zum Glück kam es nicht soweit – das allerdings auf Kosten der beiden Lampen, die ich der Security zur Vernichtung überreichen musste. Meine Erleichterung (nicht nur aufgrund eines viel leichteren Gepäcks) war schließlich sehr groß, als ich meinen Platz in der AUA-Maschine nach Wien eingenommen hatte, mich die Crew (die gleiche vom Hinflug) und die beiden Sicherheitsbeamten erfreut begrüßten und ich schon ein bisschen heimatliche Luft schnuppern durfte.

Lampen doch noch gerettet

Wohlbehalten nach Wien zurückgekehrt erhielt ich einige Tage später eine E-Mail der Boy Scouts of America. Unsere amerikanischen Freunde konnten die Flughafensicherheit von der Harmlosigkeit der beiden Lampen überzeugen und ihre Vernichtung in letzter Sekunde verhindern. Wir werden die Laternen also doch zurückbekommen.

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