Praktitipps "Voneinander lernen"
Wichtel & Wölflinge
Die Kinder bekommen den Auftrag, bis zur nächsten Heimstunde von Kindern ihrer Klasse, die eine andere Muttersprache haben, zu lernen
- wie man bis 10 zählt,
- was spielen, essen, trinken (und andere wichtige Wörter, die man sich gemeinsam ausmacht) heißt,
- wie man ein Spiel spielt oder ein Lied singt.
In der nächsten Heimstunde können sie dann das Gelernte vorführen, mit anderen Kindern vergleichen, was die gefunden haben. Vielleicht ergibt sich dann auch einmal die Möglichkeit, andere Kinder in die Heimstunde einzuladen, damit sie selbst ihre Spiele erklären, ihr Lieder den anderen beibringen.
Guides & Späher
Ähnlich wie bei den Wichtel & Wölflingen kann es um das Erlernen von Phrasen, von Sätzen und Spielen gehen. Die Patrulle sucht selbst Kriterien, was denn jeder, jede herausfinden soll. Das kann von Filmstars bis zur Popmusik führen, kann auch Kochrezepte von Lieblingsspeisen umfassen. Auch hier kann es durchaus zu nachfolgenden gemeinsamen Aktionen kommen.
Caravelles & Explorer, Ranger & Rover
Stammtisch mit einer Pro- und einer Kontradiskussion: Die Jugendlichen treten paarweise gegeneinander an. Durch das Los wird vorerst entschieden, wer die Pro- und die Kontra-Position einnimmt. Dann ziehen die Paare das Thema, wobei auch einige Information der Kontra-Gruppe gegeben wird. Pro Gruppe wird aufgefordert, sich Stammtischargumente zu überlegen. Eine Diskussion dauert maximal 10 Minuten. Die restlichen Gruppenmitglieder sind als Schiedsrichter aufgerufen. Nach der Diskussion überlegt, welche Argumente besonders gut angekommen sind und warum.
Diskussionsthemen
Thema 1: Flüchtlinge sitzen den ganzen Tag herum, arbeiten nicht, leben auf unsere Kosten!
Bisher durften AsylantragstellerInnen bis zum Abschluss des Asylverfahrens vom Gesetz her nicht arbeiten. Das Asylverfahren dauerte im Schnitt ein bis zwei Jahre. Seit Oktober dürfen AsylanträgerInnen, deren Gesuch nicht innerhalb eines halben Jahres behandelt wurde, und solange sie nicht selbst zu diesen Verzögerungen beitragen, einer Arbeit nachgehen. Die meisten Flüchtlinge sehnen sich danach arbeiten zu dürfen und sind dankbar, wenn sie geringfügig zwischenzeitlich Arbeit finden können (was erlaubt ist).
Thema 2: AusländerInnen nehmen uns die Arbeitsplätze weg und drücken die Löhne!
Die Regierung regelt die Zahl der ArbeitnehmerInnen die aus Nicht-EU-Ländern einreisen dürfen, um hier als SaisonarbeiterInnen, befristet oder unbefristet, zu arbeiten. Bevor diese Quote genehmigt wird muss überprüft werden, ob genügend einheimische Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Landwirtschaft oder Gastgewerbe können ohne ausländische Kräfte heute kaum mehr auskommen. Leider werden bei SaisonarbeiterInnen oft soziale Standards verletzt und Lohndumping betrieben.
Thema 3: Die betreiben Sozialmissbrauch und kommen nur, um unsere Leistungen zu nehmen. Und dann wird der Sozialstaat unfinanzierbar!
Erst nach fünfjährigem ständigen Aufenthalt in Österreich haben Nicht-EU-Bürger Anspruch auf alle Sozialleistungen. Sie zahlen aber von Beginn an in den gemeinsamen Topf ein und helfen so, unsere Renten und unser Sozialsystem zu finanzieren.
Thema 4: Ich fühle mich bei uns nicht mehr sicher. Die Gefängnisse sind voll mit Ausländern!
Ausländer werden schnell in Untersuchungshaft gesteckt. Ihre Verteidigung ist auch nicht immer gut, denn die zugeteilten Pflichtverteidiger bemühen sich nicht immer wirklich. Der Prozentsatz von verurteilten AusländerInnen ist nicht höher als der von ÖsterreicherInnen. Bei uns fällt der Kriminaltourismus ins Gewicht. Das organisierte Verbrechen reist dorthin, wo die Beute sicher ist.
Thema 5: Die sind nicht integrationswillig!
Es stimmt, viele Ausländer leben unter ihresgleichen. Da verstehen sie die Sprache und wissen, dass sie verstanden werden. Zur Integration ist Verstehen und Sprachbeherrschung wesentlich. Integration ist ein Prozess auf Gegenseitigkeit und braucht jene, die sich integrieren wollen, und jene, die Integration durch Sozialkontakte am Arbeitsplatz, im Kindergarten, in der Schule erst möglich machen.
Integration ist nicht Assimilation!
Kultur und Traditionen sollen erhalten bleiben - aber nur, wenn sie nicht der Wertvorstellung und den Grundgedanken der Gesellschaft widersprechen. So muss es auch Frauen möglich sein, Kontakte zu suchen - sie sollen so viel Freiheit haben, wie es unsere Gesellschaft als gut für alle Bürger und Bürgerinnen festgeschrieben hat.
(c) Monika Fabjan, 2007
